Was eine Blendfassade konstruktiv auszeichnet
Bei einer Blendfassade steht die sichtbare Vorsatzschicht im Vordergrund. Sie bildet die äussere Gestaltungsebene eines Gebäudes oder Gebäudeteils und wird vor, auf oder über einer bestehenden Aussenwand angeordnet. Die dahinterliegende Konstruktion kann massiv, leicht oder bereits gedämmt sein; die Blendfassade übernimmt je nach System vor allem optische, abschirmende oder gliedernde Aufgaben. Für die Planung relevant sind Befestigung, Materialübergänge, Fugenbild, Anschlüsse an Öffnungen sowie der Umgang mit Witterung und Hinterlüftung.
Typische Einsatzbereiche an Neubau und Bestand
Blendfassaden kommen zum Einsatz, wenn eine einheitliche Aussenwirkung hergestellt werden soll, obwohl der Untergrund konstruktiv unterschiedlich aufgebaut ist. Das betrifft beispielsweise Sockelzonen, Attiken, Technikgeschosse, Parkhausbereiche, Anbauten oder nachträglich ergänzte Gebäudeteile. Im Bestand können sie genutzt werden, um unruhige Fassadenbilder zu ordnen oder ältere Oberflächen zu überdecken, ohne die gesamte Aussenwand neu aufzubauen. Im Neubau dienen sie häufig dazu, Proportionen, Tiefenwirkung und Materialwirkung unabhängig von der Tragstruktur zu gestalten.
Materialien, Oberflächen und gestalterische Ausprägungen
Blendfassaden können aus Metall, Faserzement, Keramik, Holz, Verbundplatten, Naturstein oder anderen Bekleidungsmaterialien bestehen. Die Ausprägung reicht von geschlossenen Flächen bis zu perforierten, lamellenartigen oder rasterförmig gegliederten Elementen. Entscheidend ist, wie die sichtbare Schicht mit Licht, Schatten, Tiefe und Massstab arbeitet. Auch die Unterkonstruktion beeinflusst das Ergebnis, etwa durch Fugenverlauf, Elementgrösse oder die Möglichkeit, einzelne Bereiche zurückzusetzen oder hervorzuheben.
Abgrenzung zu Vorhangfassaden, Medienfassaden und Photovoltaik
Innerhalb der Fassadenarten sind Blendfassaden von anderen Systemen klar zu unterscheiden. Eine Vorhangfassade ist in der Regel als zusammenhängende, nichttragende Aussenhaut konzipiert und übernimmt definierte Funktionen der Gebäudehülle. Eine Blendfassade kann zwar ebenfalls vorgesetzt sein, ist aber stärker auf die sichtbare Vorsatzschicht und deren gestalterische Wirkung ausgerichtet. Medienfassaden integrieren Flächen für digitale Inhalte oder Lichtinszenierungen, während Photovoltaikfassaden auf Energiegewinnung ausgelegt sind. Bei Blendfassaden steht weder die mediale Nutzung noch die Stromproduktion im Vordergrund.