Funktionsprinzip des Giessverfahrens
Beim Giessen läuft der Lack aus einem Auftragskopf oder einer Giessvorrichtung kontrolliert auf die vorbeigeführte Oberfläche. Werkstücktransport, Materialmenge, Viskosität und Vorschub müssen aufeinander abgestimmt sein, damit ein gleichmässiger Film entsteht. Das Verfahren ist auf reproduzierbare Schichtbildung bei durchlaufenden Prozessen ausgelegt. Je nach Anlagenkonzept wird nicht aufgebrachtes Material aufgefangen und dem Kreislauf wieder zugeführt.
Typische Werkstücke in der Holzbearbeitung
Eingesetzt werden Giessanlagen vor allem für ebene oder weitgehend gleichmässige Flächen, etwa bei Plattenwerkstoffen, Türen, Möbelfronten oder anderen flächigen Bauteilen. Geeignet sind Produktionsumgebungen mit konstantem Werkstückdurchsatz und wiederkehrenden Oberflächenanforderungen. Bei stark profilierten, unterbrochenen oder sehr kleinen Teilen stösst das Verfahren schneller an Grenzen, weil der Materialvorhang eine zusammenhängende Auftragszone benötigt.
Anlagenausführung und prozessrelevante Parameter
Lackauftragmaschinen zum Giessen unterscheiden sich unter anderem in der Ausführung des Giesskopfs, der Fördertechnik, der Materialaufbereitung und der Einbindung in Trocknungs- oder Härtelinien. Für den stabilen Betrieb sind insbesondere Materialeigenschaften, Temperaturführung, Filterung und die Reinigung des Systems relevant. In der Praxis wird das Giessverfahren mit verschiedenen Beschichtungsstoffen eingesetzt, sofern deren Verarbeitungsverhalten zur Anlage und zum gewünschten Oberflächenbild passt.
Abgrenzung zu Spritzen, Tauchen, Walzen und Walzgiessen
Gegenüber Lackauftragmaschinen zum Spritzen arbeitet das Giessen ohne Zerstäubung und ist daher stärker auf flächige, kontinuierlich geförderte Werkstücke ausgerichtet. Im Unterschied zum Tauchen wird nicht das ganze Teil in ein Bad eingebracht, sondern die Beschichtung gezielt auf die Oberseite oder definierte Flächen aufgebracht. Gegenüber dem Walzen fehlt der direkte Auftrag über Kontaktwalzen. Vom Walzgiessen grenzt sich das Giessverfahren dadurch ab, dass der Lack nicht zusätzlich über ein Walzensystem dosiert und verteilt wird, sondern als freier Giessstrom beziehungsweise Lackvorhang auf das Werkstück trifft.